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Interview mit Marc van der Heijden in „Material District“: Mit lokalem Abfall und einer globalen Vision eine zirkuläre Zukunft gestalten

Für Marc van der Heijden ist Abfall nicht das Ende des Lebenszyklus eines Produkts – sondern der Beginn einer neuen Design-Geschichte. Als Gründer des niederländischen Unternehmens TRIBOO hat sich van der Heijden zum Ziel gesetzt, zu beweisen, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur ein theoretisches Konzept ist. Es handelt sich um ein skalierbares, designorientiertes Geschäftsmodell, das bereits Arbeitsstätten in ganz Europa und darüber hinaus verändert.

3D-gedruckte „NeverEnding“-Möbel aus lokalen Abfallströmen aus Naturfasern und Kunststoffen. Schreibtische und Tische für Büros, ausgestattet mit innovativen #greengridz-Arbeitsplatten, die mit 60 bis 90 % weniger Material hergestellt werden und einen um 60 % geringeren CO₂-Fußabdruck aufweisen. EverUse-Akustikplatten aus recycelter Altkleidung. Und Produkte, die aus Ihren eigenen Abfällen hergestellt werden und wieder in Ihr Büro zurückkehren.

Sein Ansatz verbindet Materialinnovation mit Systemwandel. Das Ergebnis? Ein wachsendes Portfolio an Projekten, die für Architekten, Innenarchitekten und Produktentwickler, die nach nachhaltigen Alternativen suchen, ebenso inspirierend wie lehrreich sind.

Vom lokalen Kunststoff zu hochwertigen Möbeln

Im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit von TRIBOO steht ein dezentrales Produktionsmodell, das auf digitalen Arbeitsabläufen und lokaler Fertigung basiert. Möbelkomponenten werden parametrisch entworfen und mittels 3D-Druck aus lokal gewonnenen Abfallströmen aus Naturfasern und Kunststoffen hergestellt, wodurch Transportemissionen reduziert werden und eine standortspezifische Just-in-Time-Produktion ermöglicht wird.

Eine der bislang bemerkenswertesten Errungenschaften von TRIBOO ist die vollständig nach dem Kreislaufprinzip gestaltete Einrichtung der Büros der Movares Group – eines Ingenieurbüros mit 12 Niederlassungen in den Niederlanden. Ein einzigartiges Abonnementmodell für Möbel nach dem Kreislaufprinzip bildet die finanzielle Grundlage für den gesamten Bestand. Mehr als 1.000 Schreibtische, Schränke und Besprechungstische wurden mit 15.000 Kilogramm weniger Material und einem um 60 % geringeren CO₂-Fußabdruck hergestellt. 750 Kilogramm alte Militärkleidung wurden recycelt und als Textilmaterial für die akustischen Schreibtischtrennwände verwendet. Hinzu kommen 3D-gedruckte Tische aus 100 % recyceltem Material, modulare Sitzmöbel und Möbel aus wiederverwertetem Holz. Für Movares ging es bei dieser Entscheidung um mehr als nur Nachhaltigkeit – es war eine praktische und skalierbare Lösung, die mit ihrer technischen Philosophie im Einklang stand.

Dieses Projekt verdeutlicht van der Heijdens Überzeugung, dass Design und Logistik Hand in Hand gehen müssen, um echte Kreislaufwirtschaft zu erreichen. „Wenn wir Materialien im Kreislauf halten wollen, müssen wir das gesamte Produktionssystem überdenken – nicht nur das Material selbst“, sagte er kürzlich in einem Interview.

Zirkuläre Innovation: Greengridz und darüber hinaus

Eine der wichtigsten Innovationen von van der Heijden ist #greengridz – ein leichtes, langlebiges und vollständig kreislauffähiges Plattenmaterial, das für die Herstellung von Arbeitsplatten und Möbeln verwendet wird. Das Ziel ist es, in zehn Jahren alle herkömmlichen massiven Möbelplatten auf dem europäischen Markt und darüber hinaus durch #greengridz zu ersetzen. Durch den Verzicht auf Material wird weniger Recycling benötigt, und das Abfallproblem wird immer kleiner.

Durch die Schließung des Stoffkreislaufs bei diesen Oberflächen – die oft als geringwertig und schwer recycelbar gelten – hat TRIBOO das wirtschaftliche Potenzial einer echten Verwertung am Ende der Lebensdauer unter Beweis gestellt.

Die Greengridz-Plattform bietet Designern zudem mehr kreative Flexibilität. Die Paneele können CNC-gefräst und mit 3D-gedruckten Elementen kombiniert werden, wodurch hybride Strukturen entstehen, die sowohl funktional als auch ausdrucksstark sind. Für Architekten und Innenarchitekten eröffnet dies eine neue Formensprache – eine, die von Haus aus digital, modular und kreislauffähig ist.

Furniture-as-a-Service: Ein neues Verständnis von Eigentum

Van der Heijden hinterfragt nicht nur die Art und Weise, wie Möbel hergestellt werden – er hinterfragt auch die Art und Weise, wie sie genutzt werden. Das „Furniture-as-a-Service“-Modell von TRIBOO ermöglicht es Kunden, Produkte für einen festgelegten Zeitraum zu mieten; danach können sie zurückgegeben, aufgearbeitet oder recycelt werden.

Dieser Ansatz stellt sicher, dass Materialien innerhalb des Kreislaufökosystems von TRIBOO verbleiben, wodurch Abfall reduziert und eine verantwortungsbewusstere Nutzung gefördert wird. Für Kunden bietet er Flexibilität und Transparenz: vorhersehbare Kosten, geringere Umweltbelastung und einen übersichtlichen Materialpass für jeden Artikel.

Das Unternehmen hat dieses Modell bereits für mehrere Unternehmenskunden und Organisationen des öffentlichen Sektors umgesetzt, darunter Stadtverwaltungen und Immobilienentwickler, die nach langfristigen, anpassungsfähigen Einrichtungslösungen suchen. Es steht zudem im Einklang mit den sich entwickelnden Beschaffungsrahmenwerken in der EU, die kreislaufwirtschaftliche Ausschreibungen priorisieren und mit der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen konform sind.

Die Design-Community stärken

Auch wenn die Technologie von TRIBOO beeindruckend ist, betont van der Heijden, dass sie nur ein Teil des Ganzen ist. „Bei der Kreislaufwirtschaft geht es um Zusammenarbeit“, sagt er oft. „Wir arbeiten mit Designern, Herstellern, Kommunen und Recyclingunternehmen zusammen, um ein System zu schaffen, das für alle funktioniert.“

Zu diesem Zweck betreibt TRIBOO ein offenes Design-Netzwerk, in dem Architekten und Designer gemeinsam Möbelkollektionen unter Verwendung lokaler Materialströme entwickeln können. Das Unternehmen stellt digitale Tools, Materialberatung und Zugang zu seinem dezentralen Drucknetzwerk bereit – und senkt damit die Hürden für kleine Ateliers, mit zirkulärem Design zu experimentieren.

Dieses Kooperationsmodell hat bereits zu erfolgreichen neuen Produktlinien geführt, wie beispielsweise der modularen Tischserie #greengridz, die für Goossens Wonen, einen der größten Möbelhändler in den Niederlanden und Belgien, entworfen wurde. Die Tische werden mit weniger Material, weniger CO₂-Emissionen und weniger Abfall hergestellt, und die Verbraucher lieben sie und kaufen sie. Ihre Entscheidungen und ihre Kaufkraft beeinflussen die Ausrichtung des Sortiments und beweisen, dass Kreislaufmöbel sowohl skalierbar als auch wirtschaftlich rentabel sein können.

Ausblick

Der Einfluss von Marc van der Heijden reicht über sein eigenes Unternehmen hinaus. Er ist ein Vordenker in der niederländischen Kreislaufwirtschaftsszene, beteiligt sich an öffentlichen Initiativen wie dem „Green Deal Circular Procurement“ und berät in Fragen der Nachhaltigkeitspolitik in den Bereichen Design und Architektur.

Für die Design-Community sind seine Arbeiten ein anschauliches Beispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft auf allen Ebenen verankert werden kann – von der Materialauswahl über das Produktdesign bis hin zu Geschäftsmodellen und Lieferketten. Er redet nicht nur über die Zukunft – er gestaltet sie Stück für Stück aus dem Plastikmüll, den wir wegwerfen.